Wie fotografierte ich ein Büro?

Den Betrachter durch den Raum führen

„Klar soll werden: Wie sieht das Büro aus? Welche Räume gibt es, wo sind Türen, bietet der Raum etwas besonders? Wenn es darum geht etwas zu vermitteln, zu verkaufen, an den Mann zu bringen oder jemanden zu finden, der da gerne einziehen will, dann muss man dieser Person zeigen woran sie ist; ihr eine Orientierung im Raum verschaffen. Was hilft, ist der Kamera-Blick. Der Versuch einzufangen, was du mit dem freiem Auge siehst, ist leider zum Scheitern verurteilt. Gehe stattdessen mit der Kamera durch den Raum. Schaue durch die Linse und suche so nach guten Motiven.“

Tagsüber fotografieren

“Reines Tageslicht wirkt sehr gut, wenn die Sonne rein scheint und du vielleicht noch ein paar Sonnenstreifen siehst. Aber wenn der Himmel bedeckt ist und du dieses diffuse Licht hast, dann wird es sehr schnell matschig und grau. In diesem Fall würde ich besser alle Lampen anmachen, die es gibt. Abends ist für Fotos zu dunkel. Dunkelheit macht den Raum schwarz und lässt die Lichter wegbrechen. Das bedeutet: immer unter Tags fotografieren!” Keine Scheu vor künstlichem Licht “Oft komme ich in einen Raum und denke, irgendwie sieht es hier langweilig aus. Dann mache ich erst mal alle Lichter an, die ich finden kann; Deckenbeleuchtung, kleine Lampen die herumstehen, Lichter, sogar Kerzen. So hast du hier ein Licht und dort einen Spot, da ein warmes Licht und dort ein etwas Kühleres und plötzlich fängt der Raum an zu leben. Hast du außerdem vorne ein Licht und weiter hinten ein anderes, bringst du die Tiefe des Raumes ins Bild.”

Erst der Raum, dann die Aussicht

“Wenn man einen Raum mit einer tollen Aussicht hat, mit einer Skyline zu Beispiel, dann würde ich diese Aussicht nicht aus dem Raum raus schießen, sonder immer als extra Motiv.”

Die Boden-Decke-Balance

„Wenn der Raum relativ hoch ist, du aber die Decke noch mit einfangen möchtest, dann schwenkt man schnell nach oben. Das Resultat sind stürzende Linie. Sprich, alles wird schief und verzerrt. Darum: nicht zu weit-winkelig, sondern eher gerade. Und wenn man merkt dass man zu viel Boden im Bild hat, oder zu viel Decke, dann muss man in dieser geraden Perspektive versuchen nach oben oder nach unten zu gehen, in die Knie oder auf einen Stuhl.“

Vorsicht vor Objekten

„Alles was direkt vor der Linse ist, wird extrem verzerrt. Wenn im Raum also ein Tisch steht, sollte man sich nicht direkt vor den Tisch stellen, sondern eher etwas Abstand halten.“

Motiv bestimmt Format

„Wenn ich einen Flur fotografieren und links und rechts nur Wand habe, aber einen schönen Parkettboden und eine tolle Decke mit einem Kronleuchter, dann merkt man sofort dass nur ein Hochformat sinnvoll ist.“

Lass die Bilder Geschichten erzählen

„Es geht immer um Information. Je mehr Informationen man ins Bild kriegt, desto besser. Siehst du nur die Spitze eines Kronleuchters, weißt du sofort - ah, da hängt ein Kronleuchter. Ist der Kronleuchter aber nicht auf dem Bild, existiert er für den Betrachter nicht. Wenn also irgendwo etwas reinragt, ein Stück vom Stuhl, ein Stück vom Tisch, ein Stück von der Lampe - einfangen!“

Den Hang zur Übertreibung zähmen

„Oft sieht ein Raum auf Bildern riesig groß aus, steht man dann aber drin, denkt man sich – auf dem Foto sah er deutlich größer aus. Das sollte nicht passieren. Besser ist es verschiedene Ecken zu fotografieren und, wie in einem Magazin, aus einzelnen Bildern ein Großes zu schaffen.“

Detail und Distanz

„Die Mischung macht's. Details sind in Kombination mit ganzen Raumaufnahmen sehr schön. Hier kann man auch mit Schärfe und Unschärfe spielen, oder mit Gegenlicht, Pflanzen, oder dem Schatten spielen.“

Autofokus? Besser Nicht!

„Ich war gerade letztens auf einer Aussichtsplattform. Ganz vorne am Gitter stand eine Frau, die sich unglaublich ärgerte, weil der Auto-Fokus ihrer Kamera immer hin- und hersprang. Sie wollte die Landschaft fotografieren, der Autofokus sprang aber immer zwischen Gitter und Aussicht hin und her. Es ist also immer besser, wenn ‚«man den Autofokus ausstellt und selber durch die Kamera schaut. Gerade bei einem Raum.“

Blitzen? Never!

„Niemals mit dem Blitz auf der Kamera eine Raum fotografieren! Der Blitz macht zu extreme Schatten, vor allem bei Objekten. Dann lieber den Blitz komplett weglassen. Wenn du eine gute Kamera hast kannst du länger belichten. Wichtig ist nur abzublenden. Ich empfehle Blende 8 oder 10, darunter nicht. So hast du einen großen Schärfebereich, musst nur noch die Kamera auf ein Stativ packen, sie gerade ausrichten, und fertig.“

Stativ? Yes!

„Wenn der Raum hell ist, wenn man Tageslicht hat kann man aus der Hand fotografieren. Aber gerade im Herbst, wenn es draußen bewölkt ist und der Raum ein bisschen dunkler wird, ist ein Stativ sehr zu empfehlen. Dann muss es nicht mal ganz hell sein. Die Kamera fängt ja Licht ein und sammelt es. Ich bin manchmal selbst überrascht, was für schöne Fotos da rauskommen.“

Kamera vor Handy

„Das Problem ist, dass die Handy-Kamera dir alle Entscheidungen abnimmt. Du kannst zwar das Motiv wählen, etwas fokussieren und die Helligkeit einstellen, bei einem Raum mit Fenstern wirst du aber immer Probleme haben. Jede Kamera hat einen Belichtungsmesser und versucht naturgemäß ein ausgeglichenes Motiv zu fotografieren, was Helligkeit angeht. Die Kamera weiß ja nicht, dass ich ein Fenster fotografieren will. Das Resultat sind ein helles Fenster und ein schwarzer Raum. Da muss man manuell gegensteuern. Denn mir geht es ja darum, dass der Raum zu sehen ist. Und der muss heller sein. Das Fenster darf dabei übrigens auch wegbrechen!“

 

Manuell vor Automatik

„Automatische Einstellungen können schnell ein Bild kaputt machen. Die Kamera merkt nur dass es dunkel ist, blendet ab und wenn sie nicht weiter aufblenden kann geht sie auf 3000 ISO. Das sieht auf dem kleinen Display vielleicht gut aus, auf dem Monitor merkt man dann aber - oh, da ist was schief gelaufen. Darum eher: ISO 100, Stativ, abblenden und manuell scharf stellen. Das sind die Basics.“

Und wie sieht ein gutes Bild nun aus? Best Practice Beispielen gibt's hier oder hier oder hier!

 

Der Berliner Fotograf David Burghardt kennt das Fotografie-Geschäft aus allen Ecken. 1997 begann seine Karriere mit eine Praktikum bei GEO, anschließend arbeitete als Bildredakteur bei A&W Architektur & Wohnen, bei COUNTRY und dem teNeues Verlag. Zudem war als freier Bildredakteur für Magazine wie Häuser, Living at Home, oder Feinschmecker tätig und hat für Backjumps, den teNeues Verlag, für Architekten, Designer und Einrichtungen wie das Vabali Wellness Resort in Berlin fotografiert. 2013 machte er sich selbstständig. Seither arbeitet David Burghardt als freier Fotograf, Bildredakteur und Bildbearbeiter mit Fokus auf Architektur- und Interieur-Fotografie.